Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Der Zusammenhang zwischen Schilddrüsenparametern und Verhaltensproblemen oder Verhaltensstörungen bei Hunden sowie der unterstützenden Gabe von Schilddrüsenmedikamenten in der Verhaltenstherapie wird zunehmend diskutiert und dabei auch kritisiert. Vor allem Schilddrüsenwerte im unteren Referenzbereich und die Hypothyreosen (Schilddrüsenunterfunktionen) werden mit Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen bei Hunden in Verbindung gebracht. Ob diese Hunde mit Schilddrüsenhormonen therapiert und dadurch eine Verhaltensänderung erreicht werden kann, ist bislang unklar.

 

Organische Erkrankungen können Auslöser für Problemverhalten sein. Sie sollten vor einer verhaltenstherapeutischen Maßnahme ausgeschlossen oder behandelt werden. Vor allem Schilddrüsenparameter werden im Zusammenhang mit dem Verhalten bei Hunden immer wieder kontrovers diskutiert. Obgleich der exakte Mechanismus unbekannt ist, werden Zusammenhänge zwischen den Schilddrüsenhormonen und der Normalfunktion des Serotonin-Dopamin-Stoffwechselweges vermutet. Obwohl die Hunde nicht immer das typisch klinische Bild einer Hypothyreose zeigen, können Verhaltensauffälligkeiten schon bei Schilddrüsenparametern im unteren Normbereich auftreten.

Viele der Verhaltensveränderungen im Zusammenhang mit einer Schilddrüsendysfunktion wie Lethargie und geistige Trägheit sind unspezifisch, so dass sie ebenfalls als Symptome einer kognitiven Dysfunktion interpretiert werden können.

 

Die betroffenen Hunde müssen sich nicht lethargisch, fettleibig, mit stumpfen Fell und schütterem Haarkleid präsentieren. Sie können auch untergewichtig und/oder hyperaktiv sein, welches typische Symptome einer Hyperthyreose sind. Es treten Verhaltensveränderungen wie z.B.

  • Nervosität in neuen Situationen,
  • zwanghaftes Verhalten (z.B. Schwanzjagen) und
  • Konzentrationsschwierigkeiten auf.

 Weiterhin kann es zu


  • Leistungsstörungen
  • Problemen im Training oder im Alltag bei eigentlich schon beherrschten Übungen kommen.  
  • Auch das Erlernen neuer Übungen kann erschwert werden
  • Vor allem werden allgemeine oder spezifische Ängste beschrieben

Die Ängstlichkeit kann zu angstaggressivem Verhalten werden, das meist gegen den Besitzer oder andere Hunde gerichtet ist.

Die Hypothyreose begünstigt die Herabsetzung der Schwelle, ab der aggressives Verhalten ausgelöst wird. Zu Beginn der Schilddrüsendysfunktion zeigen die Tiere noch normales, mit der Zeit jedoch stärkeres Aggressionsverhalten.

Quelle Auszug Dissertation 2010, Kristine von Thun, LMU München


Behandlung

Eine SDU ist sehr gut mittels Hormonen behandelbar.

Unter tierärztlicher Aufsicht wird das Hormon Thyroxin verabreicht. Man beginnt mit einer Einstiegsdosis von ca. 10µg pro Kilogramm Körpergewicht. Anfangs ist eine engmaschige Kontrolle der Werte zu raten, um die Dosis ggf. anzupassen.


Verbesserung

Eine deutliche Verbesserung der Symptome ist meist recht schnell zu erkennen, körperlich sowie auch verhaltenstechnisch. Wobei zu beachten ist, dass sich (unerwünschtes) Verhalten etabliert haben kann und dementsprechend nicht einfach mit der Gabe von Thyroxin verschwindet. Ein parallel unterstützendes Verhaltenstraining ist unabdingbar.

Die Hormongabe bewirkt keine Wunder, aber sie macht ein Training mit eingestellter Schilddrüse erst möglich und effektiv.


Generell

Natürlich hat nicht jeder „nervöse“ Hund automatisch eine SDU, manchmal ist der Hund einfach so veranlagt. Ebenso wird ein schilddrüsenerkrankter Hund nicht immer seine „Nervosität“ verlieren, wenn diese einfach genetisch oder charakterlich mitgebracht wird.

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