Krankheit und Verhaltensauffälligkeiten und die Suche nach einem Tierarzt

Hunde werden krank, so wie wir Menschen auch. Die Crux dabei ist, herauszufinden was unserem Liebling fehlt. Wir haben Lucky aus dem Tierheim bekommen, Second Hand, oder Dritte, vierte Hand? Man weiß es nicht so genau. Lucky war von Anfang an „Verhaltensbesonders“. Verhaltensauffällig oder Problemhund, das sind Wörter die mag ich nicht, sind mir zu negativ. Deswegen Verhaltensbesonders. Ja das äußerte sich in Aggression, jeglicher Art. Gegenüber Artgenossen ganz besonders, aber auch zeitweise gegen seine neuen Menschen gerichtet. Es äußert sich in „In sich gekehrt sein“ bis hin zu euphorischer Energie.

Aber auch eine ganze Reihe körperlicher Symptome zeigten sich so nach und nach, zB:

  • Magen-Darm-Störungen
  • Erbrechen
  • Unerklärliche Gewichtszunahme
  • Ständige Ohrenentzündungen
  • Infektanfälligkeiten, usw…die Liste ist irre lang…

Also als verantwortlicher Halter geht man auf die Suche, was ist los mit Deinem Hund. Nun findet mal einen kompetenten Tierarzt der mit Dir zusammen ALLE Symptome abarbeitet, dabei innovativ ist und die Untersuchungen durchführt, die Deiner Meinung nach und fundiert auf gesundem Halbnichtwissen dank des Internets, nun notwendig sind. Weit gefehlt. Überwiegend wird das Standardprogramm abgezogen. Großes Blutbild, Werte gut, Hund hat nix…öh, echt? Alles Einbildung?

Mir wurde sogar gesagt ich würde meinen Hund kränker darstellen als er sei…ich soll man nicht so übermuttern! Ahhhhja…was macht man dann?


Die meisten verlassen sich auf die Aussage und gucken weiter zu und wundern sich das es immer schlimmer wird. Ich wechselte den Tierarzt. Angefangen hat es ziemlich am Anfang unseres Zusammenseins mit der Ohrentzündung.

Sie ging und ging nicht weg. Über 8 Monate dokterte die erste Tierärztin, die unglaublich lieb zu Lucky war, an dem Ohr rum. Wir salbten, wir tropften, wir spülten. Das Ohr blieb entzündet. Nachdem ich das 5. Mal um eine Otoskopie bat und diese nicht durchgeführt wurde, habe ich eine 2. Meinung eingeholt.


Dort wurde dann unter der Otoskopie, eine mittlerweile verkapselte Granne festgestellt, die schon soweit im Gehörgang runter gerutscht war, dass sie kaum mehr zu packen war. Nach 20 Min. Tortur war sie dann draußen. Das Ohr heilte ab. Die Schilddrüse wurde untersucht, bei dieser Tierärztin, und es wurde eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt. Ganz eindeutige Werte, keine Zweifel. Also bekam er ab sofort Medikamente.

Der Zustand besserte sich minimal aber nicht merklich. Die Verhaltensbesonderheiten reduzierten sich, bis auf die Hundebegegnungen. Das Gewicht blieb hoch, die Magen Darm Störungen blieben. Nach diversen Besuchen bei dieser Tierärztin wurde er geröngt. Herz sei suuuper, er würde 20 Jahre damit, wenn es die Rasse hergäbe, diese Aussage vergesse ich nie! Später dazu mehr.


An der Wirbelsäule vermutete ich eine Unregelmäßigkeit da er immer zuckte und sich sehr kalt legte im Rückenbereich. Sie sah lediglich die vermutlich allerersten Anzeichen einer Spondylose im Brustwirbelbereich. Aber noch so unauffällig das dies nicht die Ursache der Beschwerden sein könne. Hmm.?!? Ich könne ja mal zu Physio mit ihm gehen oder schwimmen. Wir machten noch einen Ultraschall, dabei stellte sie „nebenbei“ eine stark vergrößerte Milz fest. Das sei nicht zu beachten, Hunde haben sowas schon mal. Aha. Warum? Na ja ich wollte nur das Beste für den Lucky und meldete ihn zur Physio an. Dort arbeitet auch eine Osteopathin. Der erzählte ich von der Milz und sie wurde blass. Sofort zum Tierarzt XY und das Herz schallen lassen. Die Milz sei ein Speicherorgan und bei Herzproblemen kann der Blutrückfluss sich auch in der Milz ansammeln. So? Ich war alarmiert, das Herz war doch suuuper? Also Tierarzt Nr. 3. Der schallte das Herz mit einem Farbdoppler und gab mir die niederschmetternde Diagnose DCM (siehe Artikel Herzmuskelerkrankung – dilatative Kardiomyopathie (DCM) ) Noch ein paar Monate ohne Behandlung und Lucky würde den Sommer nicht überstehen…..oh Gott! Das ist nun fast 1 Jahr her.

Er bekam sofort Herzmedikamente. Diese bargen einige Nebenwirkungen, aber auch das haben wir überstanden.


Die Osteopathin stellte außerdem eine Atlasblockade fest und einen verschobenen Halswirbel. Das komme von Leinenrucken zB. Nun da Lucky ja so „ungehorsam“ ist, kann ich mir vorstellen wie meine Vorgänger mit ihm umgegangen sind. Ich führe ihn ausschließlich am Geschirr. Diese Atlasblockade störe den Abfluss des Ohrenschmalzes und kann zu unerklärlichen Ohrenentzündungen führen.

Nachdem ich das Röntgenbild dem Tierarzt Nr. 3 zeigte, teilte er mir mit, das sehr deutlich eine fortgeschrittene und bereits verwachsene Spondylose am letzten Lendenwirbel/Kreuzbein erkennbar sei. Mit diesem Krankheitsbild, dem verschobenen Halswirbel und der Atlasblockade müsse er einiges an Schmerz ausgehalten haben. Kein Wunder das er so Verhaltensbesonders ist, oder? Wir leiteten umgehend noch eine medikamentöse Schmerztherapie ein.


Das alles rauszufinden hat 2 ! Jahre gedauert. Seit 1 Jahr ist Lucky sehr gut eingestellt. Er hat sein Idealgewicht wieder, er ist wieder gelenkig. Könnt ihr euch vorstellen dass er noch nicht mal in der Lage war sein Ohr zu kratzen, weil er die Hinterbeine nicht nach vorne bekam, oder er sich nicht mal am Popo beißen konnte weil er sich nicht so weit nach hinten biegen konnte? Die Verrenkungen die er heute hinbekommt, könnte man schon beim Yoga ansiedeln.


Ihr könnt euch aber vorstellen, dass es einiges an Management kostet.

Er muss eine Menge Medikamente bekommen. Der Magen ist bis aufs äußerste gereizt. Er bekommt Sodbrennen davon. Also kann er sein Fressen – zur Ernährung später ein eigener Artikel- nur aufgeteilt in 5 Portionen vertragen. Dann bekommt er einen Magenschutz. Der muss 2 Stunden vor der ersten Medikamentengabe sein. Die eine Tablette darf er 1 Stunde nach dem Essen haben, die nächste eine halbe Stunde nach der ersten Tablette, ja usw. Dann müssen zwischen den Gaben 12 Stunden vergehen bevor die nächsten Gaben stattfinden.

Ich sag Euch das war eine Tüftelei und wenn das Herrchen nicht nebenan arbeiten würde, also kurze Wege nachhause hätte, wäre das gar nicht zu bewältigen. Ja man kann bestimmt sagen Luckys Name hat Bestand.


Ach und die Verhaltensbesonderheiten, die Reste die wir noch haben, auch die regulieren sich, so nach und nach. In der ganzen Zeit haben wir hier natürlich professionelle Hilfe von so, dem ein oder anderen, Verhaltensberater, -Therapeut, -Experte in Anspruch genommen. Was dabei rauskam war fast genauso abenteuerlich wie die Suche nach einem geeigneten Tierarzt. Dazu aber ebenfalls mehr im eigenen Artikel.


Mein Fazit dazu, hört auf euer Bauchgefühl! Verlasst euch auf keine Aussage wenn ihr der Meinung seid der Hund „hat was“. Ihr seht euren Hund 24Std. und könnt das besser einschätzen, als jemand der nur eine Momentaufnahme hat. Und wenn ich zum 5. oder 6. Tierarzt gelaufen wäre, von den Homöopathen und Haaranalysen und Ernährungsberaterinnen, mal ganz abgesehen, ich hätte auch das gemacht.

Mein Bauchgefühl hat immer Recht und Lucky ist der Beweis!

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